Da steht er. Drei Meter vor ihm trainieren die Teamkollegen, links haben sich die Journalisten platziert, die Auslöser der Fotokameras klicken. Was spricht Pep Guardiola? Wie ist Rückkehrer Arjen Robben drauf? Alles konzentriert sich auf den Platz. Holger Badstuber lehnt am Zaun, beobachtet das Treiben - eigentlich nur durch das Drahtgeflecht von seinen Teamkollegen entfernt, aber doch leider irgendwie ziemlich weit weg. Denn an Fußballspielen ist knapp zwei Monate nach seiner erneuten Kreuzbandverletzung noch nicht wieder zu denken.

„Es gibt keinen Termin“, erklärte der 24-Jährige, der allerdings trotz seiner schwierigen persönlichen Situation in diesen Tagen im Trainingslager einen munteren Eindruck macht. Er weiß: „Alles wird wieder gut. Im Knie ist außer dem Kreuzband nichts beschädigt.“ Dies hätte das Ärzteteam ihm versichert. An ein vorzeitiges Karriereende habe er „nie einen Gedanken verschwendet. Ich mache mir überhaupt keine Sorgen. Ich habe die besten Ärzte um mich.“
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Viel, viel Geduld ist gefragt. Anfang Dezember 2012 hatte sich Badstuber gegen den BVB zum ersten Mal das Kreuzband im rechten Knie gerissen. Als er sich Mitte Mai auf bestem Wege zurück befand, flatterte die erneute Hiobsbotschaft hinein. Der Schock war selbstverständlich groß. Danach habe er natürlich den einen oder anderen „Scheißtag“ gehabt, aber nie „ein tieferes Loch über einen längeren Zeitraum“.

Stattdessen versuchte Badstuber, so schnell wie möglich wieder aufzustehen. „Jammern bringt nichts“, so der Nationalspieler, „natürlich macht man sich viele Gedanken, aber irgendwann muss man das abhaken. Ich muss positiv denken, ich muss da durch.“ Kraft schöpfte Badstuber in den vergangenen Monaten in erster Linie durch die überwältigende Unterstützung seiner Teamkollegen und des gesamten Vereins.

'Das ganze Umfeld hilft mir'

Immer wieder starteten Kumpel Bastian Schweinsteiger und Co. Aktionen. So schickte das Team unter anderem vor dem Champions-League-Finale ein signiertes Trikot nach Colorado/USA, wo sich Badstuber nach seiner Operation ein paar Tage aufgehalten hatte. Und: Nach dem Triumphen von London und Berlin hielt die Mannschaft ein Jersey mit der Nummer 28 in die Kameras. „Das war emotional für mich“, gestand Badstuber.

Nun bedankte er sich noch einmal öffentlich: „Ich weiß das zu schätzen. Es gab auch viele Spieler, die mich beeindruckt haben, weil sie mich angerufen haben, immer wieder auf mich zukamen. Hut ab, das war toll!“ Generell erlebe er eine riesige „Wertschätzung“ im Verein. „Das ganze Umfeld hilft mir.“

Unterstützung von Pep

Auch Trainer Pep Guardiola, der viel mit Badstuber spricht. „Das gibt mir ein gutes Gefühl“, berichtete der Patient. Erst am vergangenen Donnerstag hatte Pep auf einer Pressekonferenz auch öffentlich warme Worte für Badstuber parat gehabt, als er sagte: „Holger ist ein super, super Spieler. Leider ist er verletzt, aber es ist gut für ihn, hier mit seinen Kameraden zusammen zu sein.“

Genau das ist es, was der Innenverteidiger derzeit so richtig genießt. Als „sehr wertvoll“ bezeichnete Badstuber die Tage im Trentino. „Ich sehe, wie der neue Trainer arbeitet, bekomme eigene Eindrücke. Und durchs Beobachten kann man auch Einiges lernen.“ Seine Reha kann er ebenfalls problemlos fortführen - mal in einer Tennishalle neben dem Trainingsplatz, mal im Hotelpool.

Zeitpunkt der nächsten OP offen

Doch wie geht es nun weiter? „Die Ärzte müssen das entscheiden“, berichtete Badstuber am Montag. Fest steht nur: Eine weitere Operation wird nötig sein, um ein Stück Patellasehne als neues Kreuzband einzusetzen. Vorher aber müsse der Knochen heilen. Diesen Prozess beschleunigen die Tage am Gardasee im Kreise der Mannschaft nicht unmittelbar, für die Seele sind sie trotzdem unersetzlich.